Wissen heißt die Welt verstehen. Wissen lehrt, verrauschter Zeiten Und der Stunde, die da flattert, Wunderliche Zeichen deuten. Und da sich die neuen Tage Aus dem Schutt der alten bauen, Kann ein ungetrübtes Auge, Rückwärtsblickend vorwärtsschauen. F.W. Weber, Dreizehnlinden
 Wissen heißt die Welt verstehen.Wissen lehrt, verrauschter ZeitenUnd der Stunde, die da flattert,Wunderliche Zeichen deuten.Und da sich die neuen TageAus dem Schutt der alten bauen,Kann ein ungetrübtes Auge,Rückwärtsblickend vorwärtsschauen.               F.W. Weber, Dreizehnlinden

Bilder vom Kroneacker

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Foto: Bestand Buhr

Standort dieser Aufnahme: das ehemalige Kriegsgefangenenlager. Soweit das Auge reicht: das soll alles elf Meter tief abgegraben und mit Industriehallen überbaut werden!

Ist das nicht eine Gewalttat? Haben wir nicht schon genug Verluste? Sollte gerade mit den Restbeständen unserer Landschaft nicht schonend und umsichtig umgegangen werden? Haben wir nicht ein Recht auf Bewahrung und auf Wiederherstellung unserer Natur? Müssen wir, was seit hundert Jahren an Raubbau in Ebernhahn schleichend passiert ist, nun mit solch invasiver Wucht auf die Spitze treiben? Rechtfertigt die Vision und Fiktion von einigen Jahren Geld und vorübergehenden, fragwürdigem Wohlstand solche Opfer? Auf die Frage in der Bürger-Infoveranstaltung, wieviel und wann für die Gemeinde Einnahmen zu erwarten sind, wurde nicht mal im Ansatz eine Prognose abgegeben - das kann ein Unternehmer auch nicht bei dem heutigen globalen Rattenrennen in der Wirtschaft und den Unwägbarkeiten der Subventionierungspolitik. Von einer Person des Gemeinderates wurde so geantwortet: Ist doch egal, wie hoch und wann - Hauptsache, es gibt was.

Foto: Bestand Buhr

In diesem Herbst ist eine solche Überfülle an den Bäumen....

Foto: Bestand Buhr

Mit den einzelnen Sorten kenne ich mich nicht so aus, obwohl ich auch schon im Apfelwingert eines Moselbauern mitgeholfen habe. Aus den Äpfeln dort wird Viez gemacht. Das ist ein herber, für die Mosel charakteristischer Apfelwein aus alten, sauren Apfelsorten, den nur Moselaner trinken können, ohne daß sich ihnen der Gaumen zusammenzieht. Mir schmeckt er aber gemischt mit Limo oder Saft.

Foto: Bestand Buhr

Rheinischer Bohnapfel...

Foto: Bestand Buhr

Auf alle Fälle stehen hier Klarapfel, Herbstrenette, Boskop und Bohnapfel .... und hier und da auch ein Wildapfelbäumchen.

Foto: T. Meuer

In diesem Birkenschlag befindet sich das alte Feldkreuz.

Foto: T. Meuer

Ha-Makom (hebr. "der Ort"). Einige Jahre nach dem II. Weltkrieg wurde das alte Feldkreuz in direkter Sichtachse zur Pfarrkirche von Pfarrer Norbert Klein (+ 1957) hier aufgestellt und eingesegnet. Im Laufe der Zeit wuchsen die Birken empor und das Kreuz verwitterte.

Foto: Bestand Buhr

Die Kräuter auf dem Kroneacker sind zahlreich.

 

"Erinnere Dich, Beifuß, was du verkündet hast,

was du bekräftigt hast bei der großen Verkündung vor Gott.

Una heißt du, dem Urgott angehörig, du ältestes Kraut.

Du hast Macht für 3 und gegen 30,

du hast Macht gegen Gift und gegen Ansteckung,

du hast Macht gegen das Übel, das über Land fährt."

Altenglischer Neun-Kräuter-Segen, 10. Jahrhundert, Lacnunga-Manuscript

 

Erst kürzlich entdeckte ich, daß der Beifuß auch in Marokko zu volksmedizinischen Zwecken angewendet wurde. Gerhard Rohlfs, der um 1865 dieses Land bereiste, wurde dort von Räubern überfallen und schwer verletzt. Als man ihn fand, verband man seine Wunden mit Baumwolle, "welche von Butter, in welche man vorher Artemisia getaucht hatte, um sie aromatisch zu machen, durchtränkt war."

Foto: Bestand Buhr

Wilder Majoran

Foto: Bestand Buhr

Auf dem Kroneacker stehen die einzigen reichhaltigen Bestände an Wildhimbeeren. Wenn diese Bestände vom Bagger geräumt werden, muß in den Gemarkungen der Nachbardörfer "gewildert" werden. Im Winter ist der Waldhimbeergelee eine köstliche Erinnerung an den Sommer, der Sirup ist eine erfrischende Grundlage für Himbeersaft und eine leckere Zugabe auf Vanillepudding.

Foto: Bestand Buhr

Im Juli: Verheißungsvolle Brombeertracht.

Foto: Bestand Buhr

Jetzt im Juli kann man an den köstlichen Walderdbeeren naschen.

Auf dem Massenberg habe ich noch nie welche gefunden.

Foto: Bestand Buhr

Sternmiere im Frühjahr

Man kommt wohl eine Weile her

Und läuft nach Blumen kreuz und quer

Und bunten Schmetterlingen,

Doch mählich steigt ein Schattenrauch

Und weht von Sternen her ein Hauch

Und weht mit kühlen Schwingen... (Gustav Falke)

Foto: Bestand Buhr

Sumpfdotterblumen im Feld gegenüber den Wiesenplacken.

Ähnlich sieht der Hahnenfuß aus.

 

 

Foto: Bestand Buhr

Blutweiderich und Weidenröschen.

Foto: Bestand Buhr

In diesen ersten Junitagen habe ich einen Wildblumenstrauß im Kroneacker gepflückt: Margerite, Ringelblume, Ehrenpreis, Vergißmeinnicht, Erdrauch, Echte Kamille, Kuckucks-Lichtnelke, Orangefarbenes Habichtskraut, Rot-Klee, Acker-Witwenblume, Wiesenkerbel, Barbarakraut, Zaunwicke, Mausöhrchen-Habichtskraut, Gänsedistel und Ackersenf. Alles "Allerwelts-Blumen!" In Ebernhahn in dieser Vielfalt nur auf dem Kroneacker zu finden.

 

Im Sommer fliegt der Wiesenknopf-Ameisenbläuling die Blüten des Kroneackers an. Das Vorkommen dieser Schmetterlingsart ist auf der Bürger-Infoversammlung erwähnt worden.

Foto: Bestand Buhr

Wegwarte

Foto: Bestand Buhr

Wilde Möhre,  daneben Flockenblumen

Foto: Bestand Buhr

Winterlinde.

Während seines Wachstums im Sommer produziert ein Baum Atemluft für 10 Menschen - pro Stunde 1200 ltr. Sauerstoff.

Foto: Bestand Buhr

Die vielgeschmähte Brennessel. Jetzt im Juli trägt sie Samen. Die sind essbar ... Müsli der Natur.

Die Brennessel ist Futterpflanze für Tagpfauenauge, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Admiral, Landkärtchen und 45 weitere Falterarten.

Foto: T. Meuer

Landwirtschaftsweg - Er führt bis zu den Wiesen und Ackerflächen des Berggartens, die man im Hintergrund noch sieht. Wie lange noch? Dieses Areal war für Zehntausende Gefangener Leidens- und Sterbeort.

Foto: Bestand Buhr

Blick vom Kroneacker auf das Gelände des Kriegsgefangenenlagers. Hier lagerten Anfang 1945 kriegsgefangene deutsche Soldaten in sogenannten Cages (Käfigen), insgesamt 30.000 Mann - unter freiem Himmel, in Erdlöchern vor dem Wetter und den Kugeln, die die Wachsoldaten wahllos und willkürlich in die Menge schossen, Schutz suchend. Die Kiesaufschüttung rechts gehört zur Industriebebauung. Inzwischen liegen solche Haufen auch am Rand des Wassergangsfeldes hinter der Bahnunterführung. Dort befand sich auch der Weiher.

Foto: Bestand Buhr

Mosaik aus Büschen, Bäumen und Hecken. Die 16 ha des Kroneackers sind von der Naturschutzbehörde im Jahr 2006 zur besonders schützenswerten Landschaft erklärt worden. 35 verschiedene Vogelarten sind in dieser Landschaft gezählt worden, wie der Umweltgutachter auf der Bürger-Infoversammlung erwähnte, darunter auch der Neuntöter, der auf der Roten Liste steht. Dieser und auch viele andere Arten  brauchen solche Landschaftsstrukturen. Wenn der Kroneacker bebaut wird, werden diese Arten hier keinen Lebensraum mehr finden. Das regionale Aussterben besonderer Arten soll in Kauf genommen werden.

Foto: Bestand Buhr

Wer kann sagen, wie alt dieser Birnbaum ist? Drei Generationen hat er sicher schon vorüberziehen sehen.

 

Foto: Bestand Buhr

Urwald am Westrand des Kroneackers. Auch hier sind viele Bäume mit Baumhöhlen. Geißblatt rankt im Sommer an den Stämmen empor.

Foto: T. Meuer

Solitär: eine Stieleiche. Baum des Jahres 1989. Sie können bis zu tausend Jahren alt werden. Gesät wurde er vom Eichelhäher.

Auf dem Kroneacker findet man aber hier und da auch Walnußschalen liegen. Wir haben um Ebernhahn nur noch vier Walnußbäume - keiner davon steht auf dem Kroneacker.

Foto: Bestand Buhr

Zweig eines blühenden Apfelbaums.

"In seinem Schatten, so heiß begehrt, will ich sitzen, und süß schmeckt seine Frucht meinem Gaumen." (Hohelied Salomos 2,3)

 

Foto: Bestand Buhr

Weite Landschaft - dem Untergang geweiht!

Foto: Bestand Buhr

Und schon abgesteckt... Wer kann lesen, was auf dem Holz steht?

 

 

Foto: T. Meuer

Rückweg zum Dorf über die Wiesen. Seit 1884 durchschneiden die Gleise der Reichsbahn den direkten Zugang zum Acker. Ungefähr gegen Ende der Dreißiger Jahre wurde auch parallel eine Straße nach Siershahn angelegt, da die ursprüngliche Straße nach Siershahn durch die Tongrube Grimmelwiese/Gottesgabe zerstört wurde.

Foto: Bestand Buhr

Rinnsal im sogenannten Wassergangsfeld. Als Kinder haben wir hier Molche gefangen. Sie hatten ihre Laichgründe im nahegelegenen Weiher, der vom Investor jüngst zugeschüttet wurde. Dort fanden wir auch Laubfrösche. An Stelle des Weihers befindet sich dort jetzt ein Regenwasserrückhaltebecken.

 

Foto: Bestand Buhr

Wassergangsfeld: Schilf und Rohrkolben machen sich ins Lebensjahr 2015 auf. Der Rohrkolben wurde schon in der Steinzeit genutzt. Die Rhizome, die jungen Triebe im Frühjahr, die noch nicht blühenden Blütenstände sind roh und gekocht essbar, und man kann einen süßen Sirup aus ihnen gewinnen. Die getrockneten Wurzeln sind reich an Proteinen und Stärke und können zu Mehl verarbeitet werden. Die nussartigen Samen sind ebenfalls essbar und bilden auch einen guten Zunder zum Feuermachen.

 

Foto: Bestand Buhr

Blick auf den Malberg. In vorgeschichtlicher Zeit war auf ihm eine Ringwallanlage.

 

Foto: Bestand Buhr

Blick auf den Malberg. Wo diese Hallen jetzt stehen befand sich ein großer Teil der sogenannten "Cages" des Kriegsgefangenenlagers. Der Berggarten ist eine regionalgeschichtliche Erinnerungsstätte, die an ein Kapitel voller Leid und Tod erinnert.

 

Foto: Bestand Buhr

Meister Grimbart ... beim Einwechseln vom "Industriegebiet Grimmelwiese" in das "Industriegebiet Kronenacker" auf der Strecke geblieben. Wahrscheinlich war es noch ein junges Tier. Ich schätze sein Gewicht auf ungefähr 5-6 kg. Den Dachs sieht man nur sehr selten, weil er nachtaktiv ist. Er hat einen Aktionsradius von mehreren hundert Metern und geht eher gemütlich "Essenfassen". Er ernährt sich von Regenwürmern und Schnecken, aber auch sehr viel von Pflanzen und Beeren.

Foto: Bestand Buhr

Kopfweide. Flechten an den Bäumen sind Zeiger für hohe Luftreinheit. An der Form des Baumes kann man noch die Schneitelwirtschaft alter Zeit erkennen.

 

Foto:Bestand Buhr

Heckensäume - Lebensräume. In ihnen zwitschert es. Unter ihnen krabbelt und kriecht es. Die einzigen und reichhaltigsten Himbeerbestände des Dorfes findet man hier. Den Kroneacker kann man schmecken.

 

Foto: Bestand Buhr

Sanfter Anstieg aus dem Wassergangsfeld.

 

Foto: Bestand Buhr

Wer wohnt hier? Kohlmeise, Siebenschläfer, Fledermaus?

Laut Auskunft während der Bürger-Infoveranstaltung ließen sich auf dem Kroneacker fünf verschiedene Fledermausarten feststellen.

Auf der Bürger-Infoveranstaltung gab ein Bürger zu bedenken: "Wir reden hier nur über Fledermäuse, statt über den Kindergarten, für den mal mehr Geld übrig bleibt." Möglicherweise kann für den Kindergarten mehr Geld übrig bleiben, für einige Jahre. Soviel bekannt ist, hat der Grundstücksaufkäufer ebenfalls schon einen Spendenaufruf des Kindergartens erhalten und läßt ihn sicher nicht im Papierkorb verschwinden. Es ist schön, wenn die Kinder in ihren eingezäunten Gehegen auf Spielgeräten ihre Kreise drehen können. Noch schöner ist es, wenn sie an der Hand der Erwachsenen die Landschaft entdecken und ihre ersten Naturerfahrungen machen können.

 

Foto: Bestand Buhr

Zweigriffeliger Weißdorn vor der Blüte. Weißdorn ist herzstärkend und durchblutungsfördernd. Im Frühjahr kann man aus den frischen Trieben einen Tee machen. Meine zwei Kaninchen ließen ihr Tiefbauprojekt liegen, wenn sie sahen, daß ich ihnen Weißdornzweige brachte. Für die Vögel bilden die dichten Weißdornhecken ideale Brutplätze. Der Neuntöter spießt hier seine Beute auf. Der Weißdorn bildet Lebensraum für 54 Schmetterlingsraupenarten.

 

Foto: T. Meuer

Bei den Wiesenplacken. Im Vordergrund beginnt der Schwarze Holunder zu blühen, der wurde ebenfalls von den Vögeln auf dem Kroneacker gesät. Im Frühjahr kann man aus den Dolden "Hollerküchel" machen - ein Rezept, das ich von den Zisterzienserinnen habe - sehr lecker. Doch die Blüten sind noch zu anderen Köstlichkeiten zu gebrauchen. Wir verarbeiten sie zu Sirup und zu Gelee. Im Herbst ernten wir die Beeren und verarbeiten sie ebenfalls zu Sirup. Ein Geheimmittel bei Erkältung. Der Holunder war bei unseren Vorfahren sehr verehrt: "Vor dem Holler sollst Du den Hut ziehen!" Er war der Frau Holle geweiht, der Beschützerin des ungeborenen Lebens. Wer einen Holunderbusch fällte, bekam Zahnschmerzen. Holunder kann 100 Jahre alt werden.

Foto: Bestand Buhr

Haus mit Notausgang.

 

Foto: Bestand Buhr

Gute Nachbarschaft in der Grimmel: Streuobstbäume. Im Vordergrund ein Apfelbaum.

 

Foto: Bestand Buhr

Spannende Perspektiven mit jedem Schritt: Der Kirchturm wächst aus der Streuobstwiese.

 

Foto: Bestand Buhr

Wasserlauf an der Ostseite des Kronackers von den Wiesenplacken zum Wassergangsfeld in Richtung des zugeschütteten Weihers.

 

Foto: Bestand Buhr

Weite.

Für die 160.000 qm Landschaftsvernichtung sind Ausgleichsflächen anzulegen. Sie werden nicht in Ebernhahn entstehen, wenn sie nicht überhaupt auf dem Papier bleiben.

 

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© Petra Buhr