Wissen heißt die Welt verstehen. Wissen lehrt, verrauschter Zeiten Und der Stunde, die da flattert, Wunderliche Zeichen deuten. Und da sich die neuen Tage Aus dem Schutt der alten bauen, Kann ein ungetrübtes Auge, Rückwärtsblickend vorwärtsschauen. F.W. Weber, Dreizehnlinden
 Wissen heißt die Welt verstehen.Wissen lehrt, verrauschter ZeitenUnd der Stunde, die da flattert,Wunderliche Zeichen deuten.Und da sich die neuen TageAus dem Schutt der alten bauen,Kann ein ungetrübtes Auge,Rückwärtsblickend vorwärtsschauen.               F.W. Weber, Dreizehnlinden

Weitere Fundstücke

Was im geschichtlichen Abriß dargestellt wurde, ist noch nicht alles. Hier möchte ich noch ein paar seltsame Gebilde präsentieren.

 

 

Foto: Bestand Buhr

Ein Puppentorso aus rotem Ton. Wozu wurde er verwendet? War es ein Spielzeug oder etwas, das man an irgendein Gefäß angarnierte? Wer hat Ideen?

Foto: Bestand Buhr

Hier die Rückseite des Torsos. Wenn er zur Verzierung diente, dann war er mit den Füßen irgendwo angarniert. 

Foto: Bestand Buhr

Fragment eines Dominosteins.

Foto: Bestand Buhr

Beim Pflügen, Eggen, Ernten rauchte man ein Pfeifchen. Der qualitätvolle weiße Ton wurde m. W. seit dem 17. Jahrhundert für das Herstellen von Tonpfeifen verwendet. Produziert wurden sie reichlich in Hilgert.

Foto: Bestand Buhr

Die Stempelmarke ist noch gut zu erkennen. Ob sie von einem Hilgerter Pfeifenbäcker stammt, weiß ich nicht. Das Exemplar dürfte von der äußeren Form her ins 19. Jahrhundert gehören.

Foto: Bestand Buhr

Das Fragment eines Spielzeugs. Man sieht, daß es mal ein Vogel war.

Foto: Bestand Buhr

Hier die Innenseite des Vogels. Ein Herr, der für das Dokumentationszentrum Kannenbäckerland arbeitet, verriet mir, daß es sich hierbei um eine sogenannte Kuckuckspfeife handelt. Dieses Spielzeug wurde im 19. Jahrhundert massenhaft ebenfalls in Hilgert hergestellt. Ich hätte gerne Näheres gewußt. Aber dieser Teilbereich der Steinzeugproduktion wurde bisher noch nicht weiter dokumentiert.

 

Demnächst möchte ich hier auch noch den Mineralwasserkrug einstellen, den ich in einem der Wassergräben gefunden habe. Da er gestempelt war, konnte man feststellen, daß er vor 1866 hergestellt worden sein muß.

 

Nun aber zu dem merkwürdigsten Keramikfund, den auch der Herr aus dem Dokumentationszentrum nicht näher bestimmen konnte:

 

Foto: Bestand Buhr

Irdenware, schwarz engobiert.  Im folgenden die Magerung:

Foto: Bestand Buhr

Er meinte nur, nach der Beschaffenheit muß das Fragment sehr, sehr alt sein.

Von allen interessanten Fundstücken wurde das interessanteste bisher von Albert Müller gemacht. Als er im Alter von etwa 14 Jahren beim Pflügen half. Sein Blick fiel zufällig auf einen Gegenstand, den der Pflug ausgeworfen hatte. Er war aus Stein, hatte aber eine Form, die zeigte, daß er von menschlicher Hand bearbeitet worden war. Das Fundstück wurde nach Montabaur gebracht. Dort war seinerzeit eine Person, die einen kompetenten Blick darauf warf: Dr. Weil, der Direktor des Kreisheimatmuseums. Der war sehr beglückt über den Fund. Denn es handelte sich um ein Steinbeil aus der Steinzeit. Das Artefakt bildete seinerzeit das älteste Fundstück des Museums.

Am 9. März 1938 wurde der Fund dieses Steinbeils im "Heimatblatt für Limburg und Oberlahn" vermeldet. Unter dem Artikel "In grauer Vorzeit wurde mit Napoleonshüten gemahlen" heißt es:

"Zu diesen Funden kam ein weiterer in der Gemarkung Vielbach, in der Sandkaute im Walde gegenüber dem Lanzenberg. Hier fand man beim Ausnutzen einer Sandgrube eine Urne aus der La-Tène-Zeit. Nach der Errichtung des Kreisheimatmuseums in Montabaur im Jahre 1930 ging man von hier aus daran, plannmäßig besonders auch die vorgeschichtlichen Funde im Unterwesterwaldkreis zu sichern...in Herschbach fand man Reste einer Urne aus der Hallstatt- oder La-Tène-Zeit, in Vielbach ein Messer aus der älteren Steinzeit ... weiter wurden ein Schaber und in Ebernhahn ein Steinbeil aus der Steinzeit gefunden."

Albert Müller sollte nicht viel länger mehr leben. Er fiel in den Weiten Rußlands. Sein Bruder hatte mir im Jahre 2008 den Hinweis gegeben, daß die Fundstätte auf ihrem Kartoffelfeld im Kroneacker war. In demselben Jahr machte ich mich auf die Suche nach dem Steinbeil. Es war nach Schließung des Museums in Montabaur an das Landschaftsmuseum in Hachenburg übergeben worden. Dort lagert es noch heute mit anderen gefundenen Steinbeilen. Es ist nach Aussage des dortigen Leiters nicht mehr genau zu spezifizieren, welches das aus Ebernhahn war.

Vielleicht wäre es möglich, wenn der Bruder von Albert Müller diese Fundstücke in Hachenburg in Augenschein nehmen könnte.

Jedenfalls werde ich diese Steinbeile fotografieren.

 

Steinbeil gefunden in einem linienbandkeramischen Brunnen in Schkeuditz-Altscherbitz. (Quelle: Wikipedia. http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASchkeuditz_stone_axe_01.jpg

Es dürfte ungefähr so ausgesehen haben. Da bis auf weiteres noch kein Bild vom Original-Fundstück vorhanden ist, habe ich hier als Anschauungsobjekt ein typisches Steinbeil aus dem Bilderbestand der Wikipedia (Creative Commons 3.0) eingestellt.

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© Petra Buhr